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Sebastian Frye nach zwei Freisemestern aus den USA zurück

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Mit vielfältigen Eindrücken und Erfahrungen ist Sebastian Frye aus seinen Freisemestern in den USA in seinen Heimatort Eggerode zurückgekehrt. Am 10. Oktober  setzt er mit dem sechsten Semester der Theologie an der Westfälischen Wihelms-Universität in Münster sein Studium fort.

„Durch die Umstrukturierung des Theologiestudiums haben sich die Freisemester auf das vierte und fünfte Semester verschoben“, erklärt Sebastian Frye. Bedingt durch den Bologna-Prozess sei es zu einer Vereinheitlichung des bestehenden europäischen Hochschulbetriebs gekommen.

„Das Studium wird seit 2008 mit dem „Magister Theologiae“ abgeschlossen“.

Vorher wurden für die Freisemester von den Studenten gerne Städte mit namhaften theologischen Fakultäten wie Freiburg, München, Innsbruck, Wien oder Tübingen gewählt. „Heute wird gerne auch der nicht deutsch sprachliche Raum wie Spanien, Italien oder die USA gewählt“, weiß Sebastian Frye.

So hatte er sich für zwei Semester die Graduate Theological Union (GTU) in Berkeley Kalifornien gewählt. Diese Vereinigung von theologischen Hochschulen besteht seit 1962 und ist neben Chicago ein großes theologisches Zentrum in den USA. In ihr sind die Orden der Dominikaner, Franziskaner und Jesuiten vertreten neben Lutheranern, Episkopalen, Baptisten, Presbyterianern. Aber auch Institute nicht-christlicher Religionen, wie etwa des Islams und des Buddhismus gehören zur Union.

Dort hatte er sich bei den Franziskanern eingeschrieben und fühlte sich bei ihnen sehr gut aufgehoben, zumal die insgesamt ca. 80 Studenten von 20 Professoren betreut wurden. In kleinen Gruppen, die häufig nicht mehr als 10 Studenten umfassten, waren jeweils zwei bis drei Professoren anwesend. „Unter solchen Voraussetzungen waren äußerst intensive Gespräche möglich“, lobt Sebastian Frye die dortigen Unterrichtsmethoden. Die Vorbereitungen zu den Seminaren forderten den Studenten allerdings einiges ab. Es war so, dass nicht selten pro Kurs bis zu 150 Seiten eines wissenschaftlichen Textes vorbereitet werden mussten. Verschult würde er das Studium allerdings nicht nennen, so Frye, dagegen spreche das kritische Durcharbeiten der Quellen in Diskussionen und das produktive Weiterdenken.

Erstaunt hat ihn die Zusammensetzung seiner Kommilitonen, von denen viele zwischen ihrem 30 und 60 Lebensjahr waren. Einige von ihnen hatten ihre Berufslaufbahn unterbrochen, um noch einen Master zu erwerben. Persönliche Fortbildung war häufig das Ziel. Dazu wurden etliche Studenten von den Orden zu der Hochschule geschickt.

„Schwerpunkte der Lehre waren nicht wie in Münster die systematische Theologie und Exegese, vielmehr standen die praktische Theologie und die Pastoral im Vordergrund“, so Frye. Der Schritt vom theoretisch Gelernten hin zur konkreten Anwendung erfolge hier sehr schnell. Durch die multikulturelle Zusammensetzung Kaliforniens an der Westseite der USA, sei eine der am häufigsten diskutierten Grundfrage der Theologen: „Wie kann Glaube auch in nicht westeuropäischen Kulturen vermittelt und gelebt werden“? In der Beantwortung dieser Frage habe er seine persönlichen Erfahrungen machen können. „Ich habe zum Beispiel in einem afroamerikanischen Gospelchor mitgesungen. Die Menschen haben einfach eine andere Sprache und sie brauchen für sie verständliche Zeichen“, hat er festgestellt.

Ein besonderes  Erlebnis war ein Auslandsseminar in Vietnam und Kambodscha, an dem er teilnehmen konnte, mit dem Thema „Kirche im asiatischen Kontext“. Die Studiengruppe bestand aus vier Professoren und fünf Studenten. Das Seminar war von einigen katholisch-vietnamesischen Gemeinde in den USA unterstütz worden, die Studenten mussten lediglich einen geringen Eigenanteil der Kosten tragen.  „Interessant fand ich zum Beispiel den Bau einiger Kirchen dort, die äußerlich den ortsüblichen Pagoden angeglichen waren“, staunt Frye. „Und noch mehr beeindruckte mich die Freude, die von dieser jungen und doch unterdrückten Kirche ausging.“ Drei Wochen hatte die Studiengruppe die Möglichkeit, in Vietnam und Kambodscha ihren Studien und Beobachtungen nachzugehen. Allerdings durfte die Gruppe nicht offiziell als eine kirchlich-christliche auftreten, da dies von der kommunistischen Regierung nicht erlaubt worden wäre. Das Auslandsseminar war sehr gut vorbereitet, auch durch den Kontakt, den jeder Teilnehmer mit einem persönlichen Gesprächspartner aus Vietnam schon vor Beginn der Reise hatte.

An Berkeley erinnert sich Sebastian Frye gerne zurück. Gewohnt hat er dort in einer Wohngemeinsaft mit einem Mitglied der National Guard von Kalifornien, zwei Studentinnen – einer aus Mexiko und einer aus Vietnam – und einem 70jährigen Priester, der sein Sabbatjahr dort verbrachte. Man aß und kochte häufig gemeinsam, ging zusammen ins Kino und besuchte den Gottesdienst. „Es war eine spannende Zeit und ich habe mich selbst dabei verändert“, beurteilt Sebastian Frye sein Auslandstudium.

Den Blick über die Grenzen des Münsterlandes hinaus getan zu haben, habe ihm gezeigt, dass die katholische Kirche ganz unterschiedliche Gesichter hat und dass dies zu ihrem Reichtum gehört. „Katholizismus ist durch Vielfältigkeit geprägt.“

Diese Erfahrung hat sein Bewusstsein, wie er selbst feststellt, sehr erweitert und eine kritische Einstellung zu dem Status quo hierzulande bewirkt. „Man kommt zwangsläufig zu anderen Kriterien wenn man beginnt, von dem Fremden zu lernen. Dies öffnet und führt in die Freiheit.“, ist sein Fazit.

Am 10. Oktober beginnen also wieder die Vorlesungen in Münster. „Jetzt habe ich Halbzeit. Fünf Semester sind es noch bis zum Ende meines Studiums.“

 

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